Warum Spinnmilben so problematisch sind
Spinnmilben (v. a. die Gemeine Spinnmilbe, Tetranychus urticae) gehören zu den häufigsten und hartnäckigsten Schädlingen im Cannabis-Anbau. Sie sind kaum mit bloßem Auge zu erkennen, vermehren sich bei warmen Temperaturen rasend schnell und saugen an der Blattunterseite Zellsaft. Typische Anzeichen sind kleine helle Sprenkel auf den Blättern, die sich später gelblich verfärben, sowie – bei stärkerem Befall – feine Gespinste zwischen Blättern und Blüten.
Weil Spinnmilben in wenigen Tagen mehrere Generationen durchlaufen können, entwickeln sie gegen viele chemische Mittel schnell Resistenzen. Biologische Bekämpfung mit Raubmilben ist deshalb nicht nur rückstandsfrei, sondern oft auch die wirksamere Langzeitlösung.
Amblyseius californicus: der Allrounder für den Innenraum
Amblyseius californicus (auch Neoseiulus californicus) ist eine robuste Raubmilbe, die verschiedene Spinnmilbenarten sowie Weichhautmilben frisst und sich zusätzlich von Pollen ernähren kann – dadurch übersteht sie auch Phasen mit wenig Beute. Ein großer Vorteil für den Indoor-Grow: Die Art geht nicht in Diapause und ist daher auch im Kurztag (12/12-Lichtzyklus während der Blüte) uneingeschränkt einsetzbar, während viele andere Nützlinge unter Kurztagbedingungen inaktiv werden.
Empfohlene Aufwandmengen:
- Vorbeugend: 2–4 Tiere je m²
- Bei bestehendem Befall: 5–10 Tiere je m²
- Wiederholung: 2× im Abstand von 2–4 Wochen
Optimal fühlt sich die Raubmilbe bei Temperaturen ab 18 °C (optimal 25 °C) und einer Luftfeuchte von 50–65 % wohl. Sie wird als Streuware in Vermiculite geliefert und sollte kurzfristig kühl und dunkel gelagert werden, bevor sie ausgebracht wird.
Wann zusätzlich Phytoseiulus persimilis sinnvoll ist
Bei bereits starkem, sichtbarem Befall mit Gespinsten empfiehlt sich eine Kombination mit der spezialisierten Raubmilbe Phytoseiulus persimilis, die als reiner Spinnmilbenjäger schneller reagiert. Amblyseius californicus übernimmt dabei den nachhaltigen Dauerschutz, da sie länger im Bestand aktiv bleibt.
Praxis-Tipps gegen Spinnmilben
- Regelmäßig die Blattunterseiten kontrollieren – dort beginnt der Befall meist unbemerkt.
- Luftfeuchte nicht dauerhaft zu niedrig halten; trockene, warme Luft begünstigt die Vermehrung der Spinnmilben.
- Raubmilben frühzeitig, am besten vorbeugend, einsetzen statt erst bei sichtbarem Gespinst.
- Keine chemischen Breitbandmittel gleichzeitig einsetzen – sie töten auch die Nützlinge ab.
Wer konsequent auf Raubmilben statt auf Akarizide setzt, vermeidet nicht nur Rückstände in der Ernte, sondern verhindert auch, dass sich resistente Spinnmilbenpopulationen bilden.